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Autor Thema: [Fan Fiction] Die Sternenkrieger von Vega
G-man
Moderator
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ID # 52


  Erstellt am 30. März 2009 16:10 (#21)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
Gut, in diesem Fall gewähren wir eine Ausnahme!

mfg
G-man


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Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten! Errare humanum est!

Dumm ist nicht, nichts zu wissen, sondern zu glauben alles zu wissen!


Beiträge: 1319 | Mitglied seit: Februar 2007 | IP-Adresse: gespeichert
Alexander
Oberbefehlshaber
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ID # 70


  Erstellt am 31. März 2009 17:28 (#22)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
KAPITEL 7

* Sirius-System, Juni 2370

Laut hämmerte die Musik aus den Boxen im Erholungsbereich der GTD Intrepid. Die Piloten des 101st Geschwaders ließen Leutnant Kevin Petrarch und Leutnant Patrick Wallace hochleben. Nach und nach schlossen sich den Feiernden auch Piloten der beiden anderen neuen Geschwader, des 102nd und 103rd, an.
Die Veteranen der 53rd Hammerheads saßen dagegen reichlich verstimmt in der hintersten Ecke der Bar und tranken missmutig ihren Kaffee.
„Seht sie euch an!“, sagte Mathias Volter schließlich. „Können keinen Bomber geradeaus fliegen aber feiern als hätten sie einen Krieg gewonnen. Sogar Patrick macht da mit. Das hätte ich nie von ihm gedacht.“
„Ach lass sie doch.“, warf Peter Samsonow ein. „Sie werden es noch lernen.“
„Gar nichts lernen die… … immer nur Simulator… und dann eine lausige Piratenbasis. Oh Mann, die Piraten hatten nur drei alte AA-Geschütze. Trotzdem hat dieser Held einen Frachter und einen Loki verloren sowie einige Schiffe schwer beschädigt nach Hause gebracht.“
„Ist schon gut. Wir haben ja auch eine Ulysses verloren.“
„Gar nichts ist gut!“
Mathias war kurz davor auszurasten. Eine zarte Hand näherte sich seiner Schulter und drückte ihn behutsam zurück auf seinen Stuhl. Wenn Mathias in aggressiver Stimmung war konnte ihn nur Lisa beruhigen. Das war schon auf der Akademie so gewesen und hatte sich seitdem nicht geändert.
„Immerhin bin ich auch abgeschossen worden.“, sagte Ivonne und setzte sich neben Mathias. Lisa stellte ein Tablett mit sechs vollen Kaffeetassen auf den Tisch.
„Um was geht’s hier eigentlich, Mathias?“
„Ach… ach was soll es? Die Jungen kämpfen zu schlecht und feiern zu ausgelassen. So wird das nichts werden.“
Lance, der noch nichts gesagt hatte, lugte um Peters massige Gestalt herum und besah sich die Szene. Kevin zog eine große Show ab. Er ruderte und wedelte mit den Armen und gestikulierte wild umher. Offensichtlich erklärte er den Rekruten gerade wie er die Basis entwaffnet hatte. Einige der Rekruten schienen ihn geradezu zu vergöttern. Immerhin war er der Sohn des berühmtesten Admirals der Weltgeschichte. Das allein gab ihm einen großen Bonus.
„Achtung! Stevon!“, sagte Peter gerade laut genug das ihn seine Freunde verstehen konnten.
Colonel Alexios Stevon marschierte in den Erholungsbereich. Er nickte den Veteranen kurz zu und gesellte sich dann zu den feiernden Piloten. Anscheinend hatte er gute Nachrichten für Kevin und Patrick, denn kurz darauf erschallten einige Hochrufe.

„Möchte wissen was da vor sich geht.“, murmelte Lisa.
„Ah… ah… ah!“
Peter zog die Frau zu sich heran und drückte sie dann zurück auf den Sitz. Lisa sah ihn verwundert an, wehrte sich aber nicht.
„Schön hier geblieben, Lisa. Wir haben schon genug Ärger. Dieser Tag gehört den Rekruten, Patrick und Kevin. Immer dran denken, wir stehen alle auf derselben Seite. Also lassen wir uns weder provozieren noch ablenken. Schon bald werden wir echten Gegnern gegenüberstehen und dann müssen wir dafür sorgen das diese Küken samt Oberküken am Leben bleiben.“
„Ist hier noch frei?“
Die sechs Veteranen sahen Major Robert Winslow nichtssagend an. Lance deutete auf den letzten freien Stuhl, der von Ivonne´s Beinen besetzt war. Die Pilotin zog ihre Beine ein und gab den Stuhl somit frei. Zufrieden setzte sich Robert.
„Die Küken feiern ja ganz doll.“, meinte er.
„Wir sind gerade überein gekommen das wir sie tolerieren werden.“
Robert sah Peter eine Weile an und überdachte diese Aussage. Als Marine tolerierte er eigentlich niemanden, ausgenommen erfahrene Piloten bzw. Soldaten. Andererseits standen sie ja alle auf derselben Seite. Rein rechtlich gesehen zumindest. Moralisch mochte es den einen oder anderen Graben zwischen Veteranen und Rekruten geben.
„Ooo-Key.“, antwortete Robert gedehnt.

„MORO ist im Vidcom!“, rief jemand.
Die Rekruten sprangen auf und rannten zum großen Wandschirm. Filmstar James Moro grinste sie an. Die Serie ‚Sternenkrieger von Vega‘ flimmerte über den Vidschirm. James Moro spielte Tycho Brahe, den Helden von Vega.
„Och nö, nicht schon wieder diese Serie!“, stöhnte Robert Winslow.

# # #

Ivonne Midlano nippe leicht an ihrer Tasse Kaffee. Auf Raumschiffen gab es keinen Tag/Nacht-Rhythmus, aber Ivonne und Lance waren nun seit gut vierzehn Stunden auf. Ivonne spürte die Müdigkeit.
„Was für eine Siegesfeier!“, sagte sie und gähnte leise. „Für die Moral der Rekruten war es sicher gut, nur werden sie sich jetzt überschätzen und den nächsten Fehler begehen. Wir werden wohl mehr als einen William bekommen.“
Ivonne spielte auf William Wallace an. Lance wollte nicht mehr an ihn denken. An Bord der Intrepid befanden sich fünfhundert Piloten, Copiloten, Funker und Bordschützen. William war nur einer von ihnen gewesen.
„Denkst du manchmal an Avalon?“, fragte Lance.
Er lang rücklings auf seinem Feldbett. Ivonne nickte leicht ohne zu antworten. Avalon war ein marsähnlicher Planet, größer und massereicher als der Mars, mit relativ dichter Atmosphäre und flüssigem Oberflächenwasser. Diese Welt war der erdähnlichste Planet den die Menschheit jemals gefunden hatte.
Alle andere von Menschen bewohnte Planeten waren entweder Eiswüsten wie SR-5 oder Kraterwelten wie Laramis-II oder bestenfalls verödete Welten wie Cygnus Prime. Wieder andere Welten waren so schwer verwüstet worden, das dort niemand mehr leben konnte. Ribos-IV war so ein Beispiel. Vasuda Prime und Altair-IV hatten sogar ihren komplette Biosphäre verloren und waren nun wirklich und wahrhaftig tote Welten.
Die meisten Menschen, und auch die meisten Vasudaner, lebten eng zusammengezwängt in unterirdischen Höhlenstädten, in Kuppelstädten oder Raumbasen. Die Nahrung wurde entweder gleich künstlich in gigantischen Chemielaboren hergestellt oder als Monokulturen in ebenso gigantischen Habitaten angebaut.
Der technische und finanzielle Aufwand, all diese hoffnungslos veralteten und überbevölkerten Kolonien zu erhalten, überstieg beinahe die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Allianz.

Eine Ausnahme war nur Capella Prime gewesen, eine erdähnliche Welt voller Leben, ein wahrer Garten Eden. Capella war nicht nur wegen seiner Werften und seiner Industrie wichtig gewesen, nein, vor allem war Capella wegen seiner landwirtschaftlichen Erzeugnisse wichtig gewesen. Doch die Shivaner hatten mittels einer gigantischen Subraumverzerrung die Sonne Capella in eine Supernova verwandelt. Der Garten Eden war samt der Werften und vielen Menschen eingeäschert worden.

„Ja.“, bestätigte Ivonne schließlich. „Ich erinnere mich gut an Avalon. An unsere alte Schulklasse. An Marcos, Warner, Lisa und Doyle.“
Lance sagte nichts.
Marcos, Warner, und Doyle waren zusammen mit Capella gestorben, Lisa schwer verbrannt worden.
Lance blickte zur Zimmerdecke empor.
Capella war dort oben.
Irgendwo dort oben, Lichtjahre entfernt. Aber die Erinnerungen blieben.

Ivonne klappe das Notebook auf.
„Die letzten Ergebnisse der Simulatortests liegen vor.“, sagte sie.
„Ich komme.“, antwortete Lance und erhob sich.
Capella war Vergangenheit. Avalon war Vergangenheit. Er musste sich um vier Geschwader kümmern. Das bedeutete er musste versuchen all diese Rekruten, Milizpiloten und Anfänger am Leben zu erhalten.

# # #

Im Einsatzbesprechungsraum blickte das strenge Gesicht von Grossadmiral Erikson vom großen Vidschirm auf Admiralin Wallace herab. Der Oberbefehlshaber aller alliierten Streitkräfte lächelte leicht.
„Sie haben gute Arbeit geleistet, Karen. Wirklich sehr gute Arbeit. Wie sie sicher wissen, waren viele Admiräle gegen ihre Ernennung zur Oberkommandierenden der 5th Flotte. Sie sagten eine ehemalige Frachterkapitänin habe auf einem Kriegsschiff nichts zu suchen. Aber jetzt haben sie es allen gezeigt. Die Kritiker sind verstummt.“
„Vielen Dank, Grossadmiral.“, antwortete die Admiralin.
„Nichts zu danken, Karen. Wir brauchen fähiges Personal sehr dringend und sie sind fähig. Sie werden es weit bringen.“
Grossadmiral Erikson hüstelte.
„Eine Gruppe Vasudaner wird in einige Stunden ihre Flotte erreichen. Offiziell sind es Austauschoffiziere. Tatsächlich aber ist es ein Team Wissenschaftler. Diese Leute haben direkt mit ihrer derzeitigen Mission zu tun. Weitere Befehle erhalten sie über einen sicheren Kanal.“
Der Grossadmiral zögerte.
„Ich möchte ihnen noch mein Beileid für den Tod ihres Neffen aussprechen. Sein Tod hat uns alle tief getroffen.“

# # #

Zwei Standardtage später betrachtete ein hochgewachsener, aber sehr alter Vasudaner vom Observationsdeck der GTD Intrepid aus die sich sammelnde Flotte. Zwei Zerstörer der Orion-Klasse, eine Korvette der Deimos-Klasse, zwei Kreuzer der Aeolus-Klasse und ein Kreuzer der Mentu-Klasse formierten sich zum Sprung nach Regulus.
Hinter ihnen blieben je drei Argo-Transporter, drei Gasminer und drei Triton-Frachter zurück. Sie wurden von einem uralten Kreuzer der Fenris-Klasse eskortiert. Ein paar Prototypen-Jäger mit eigenen Intersystemsprungantrieben begleiteten die größeren Schiffe wie winzige Pilotfischchen einen gigantischen Leviathan in den Ozeanen von Aldebaran-II.

Der alte Vasudaner gehörte zum Wissenschaftsteam, das als Austauschoffiziere getarnt an Bord der GTD Intrepid gekommen war. Sie bewohnten nun einen abgeschirmten Bereich tief im Herzen des Trägerschiffes. Ihre Labors, ihre Forschungseinrichtungen und ihre Analysegeräte befanden sich vollzählig an Ort und Stelle.
Ein junger Vasudaner trat zu dem Alten und betrachtete ebenfalls die sich formierende Flotte. So standen sie eine Weile schweigend da. Ein Schiff nach dem anderen sprang durch den Subraumknoten nach Regulus. Die GTD Intrepid würde nach den beiden Kreuzern und der Korvette springen.
„Jetzt dauert es nicht mehr lange.“, flüsterte der alte Vasudaner.

*

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Alexander
Oberbefehlshaber
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ID # 70


  Erstellt am 02. April 2009 11:45 (#23)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
KAPITEL 8

* Regulus-System, Juni 2370

Leutnant Patrick Wallace korrigierte die Fluggeschwindigkeit seines Ursas. Sie flogen durch ein dichtes Asteroidenfeld und kleine Partikel trommelten ständig auf die Schilde der Maschinen. Er hatte sich diesem Einsatz zuteilen lassen um endlich etwas tun zu können. Der seiner Meinung nach sinnlose Tod seines Cousins machte ihm zu schaffen.
Deshalb hatte er darum gebeten das Asteroidenfeld von Regulus auf Piratenbasen und versteckte Piratenschiffe überprüfen zu können. Da die Langstreckensensoren der Intrepid keine Subraumsignaturen im Asteroidenfeld entdeckt hatten, gab es dort höchstwahrscheinlich keine freindlichen Jäger. Sechs schwere Bomber der Ursa-Klasse sollten ausreichen um alle Piratenschiffe im Asteroidenfeld vernichten zu können.
Lance Vincey hatte trotzdem darauf bestanden ihm eine Jägereskorte mitzugeben. Aber Patrick wollte keine anderen Piloten dabeihaben. Er hatte mit seiner Mutter gesprochen und die Admiralin hatte den Einsatz abgesegnet.

Das Intercom piepte kurz, blieb aber stumm. Sein Com-Offizier erhaschte ein paar unverständliche Wortfetzen.
„Hier Delta-Staffelführer, bitte wiederholen sie!“, brüllte Patrick ins Intercom.
Sie warteten. Sein Copilot, der Com-Offizier und der Bordschütze waren sichtlich angespannt. Irgendwo da draußen war ihr Ziel.
„Bitte wiederholen sie ihre letzte Meldung!“
Nichts. Nur die endlosen Asteroidenfelder mehrere Kilometer voraus.
„Delta-Staffelführer an Delta-Staffel. Meldung machen. Sofort!“
Ein paar verwirrte Anworten kamen herein. Der Com-Offizier sortierte und analysierte sie wie gewohnt sehr schnell und sehr effektiv. Es waren keine verwertbaren Informationen darunter.
„Delta-Staffelführer an Delta Staffel. Erhöhte visuelle Aufmerksamkeit.“
„Delta-Drei, haben sie Delta-Fünf gesehen?“, fragte der Copilot plötzlich dazwischen.
„Ein … krtrschh … Momen … krrtch.“
Eine sehr lange Pause. Der Copilot kalibrierte seine Scanner neu, der Com-Offizier tat dasselbe mit der Com-Phalanx. Die Stimme des Com-Offiziers von Delta-Drei kam dann klar und deutlich aus dem Intercom.
„Hier D-Drei an D-Eins. Ich habe D-Fünf auf den Koordinaten… .“
Patrick Wallace sah seinen Copiloten und dann seinen Com-Offizier eindringlich an. Die beiden Männer überprüften ihre Instrumente und schüttelten dann den Kopf. Es gab keine Spur von Delta Drei und Delta Fünf mehr.
„D-Eins an Delta-Staffel. D-Vier, halten sie Ausschau nach D-3 und D-5. Die müssten doch… .“
„Kontakt! Kontakt! … Acht! Es sind acht! … .“
Die Meldung kam von Delta-Zwo. Patrick und sein Copilot suchten das Asteroidenfeld mit ihren Augen ab. Doch da war nichts.

An ihrer Backbordseite blitze es auf. Als Patrick den Kopf drehte sah er gerade noch eine Kette roter Laserblitze in den Asteroidenfeldern verschwinden. Wieder rauschte das Intercom. Gerade als das Gemurmel einen Sinn zu ergeben schien, explodierte Delta-Zwo keine sechzig Meter neben Patricks Maschine. Etwas sehr Helles und Schnelles flog an seinem Cockpit vorbei.
„Delta-Zwo ist weg! Delta-Zwo ist weg!“, brüllte der Bordschütze sinnloser weise via Bordfunk.
„Formation auflösen!“, befahl Patrick geistesgegenwärtig.
Die Welt schien Kopf zu stehen als er den schweren Bomber in einen kreiselnden Sturzflug zwang. Für einen Moment sahen sie wie die brennenden Überreste von Delta-Zwo von Kollisionen mit kleinen Asteroiden in rote Fetzen aus Feuer zerrissen wurden.

Auf seiner Kommandokonsole blickten Alarmlichter auf. Ein Gegner versuchte sie anzupeilen. Laut Bordcomputer war es ein Thoth, ein vasudanischer Jäger mit exzellenten Leistungsdaten und schwerer Bewaffnung. Patrick erkannte die knochenweißen Markierungen unterhalb der Cockpithaube.
Der Thoth gehörte zum Lichthammer!

Patrick ließ den Ursa wegkippen. Sie kreiselten auf ein besonders dichtes Asteroidenfeld zu. Der Bordschütze feuerte lange Salven auf die vermutete Position ihres Gegners ab. Die Laserblitze verschwanden ohne erkennbare Wirkung in den Asteroidenfeldern. Selbst wenn die Salven den Thoth trafen würde das wahrscheinlich keine Wirkung haben. Es brauchte schon mehr als ein paar Treffer aus einer Bordwaffe um einen Schutzschild zu durchschlagen.
Patrick gab Vollschub um die relative Sicherheit des Asteroidenfeldes zu erreichen. Solche Felder störten alle Sensoren. Jedenfalls alle Sensoren der terranisch-vasudanischen Flotte. Niemand wusste ob die shivanischen Sensoren ebenfalls gestört wurden.
Aber es war ihre einzige Chance.
Vor ihnen tauchte ein leichter Jäger der Horus-Klasse auf. Patrick feuerte mit allen Waffen, die ihm zur Verfügung standen, auf den Feind. Die Schilde des leichten Jägers brachen weg und die Maschine verwandelte sich in einen Feuerball.
"Jeahahah! Das war ein Volltreffer!", jubelte sein Copilot.

„Hier… D-Vier… ist hinter mir! Er ist hinter mir! Heiliger Herr Jesus Christ! Ich kann ihn nicht abschütteln! Ich kann ihn nicht ab….“
Weißes Feuer raste durch die Asteroidenfelder als Delta-Vier explodierte. Die Cyclops-Torpedos waren wahrscheinlich alle gleichzeitig detoniert. Delta-Sechs wich den Trümmern aus und raste hinter seinem Staffelführer her. Auch Delta-Fünf kam in Sicht. Die Bomber feuerten aus allen Rohren um die angreifenden Vasudaner auf Distanz zu halten.

„D-Fünf an Staffelführer. Mindestens fünf Thoths und drei Seths im Missionsgebiet. Ich wiederhole: Hier sind mindestens fünf Thoth und drei Seths. Die Thoth tragen Trebuchets. Delta-Zwo und Delta-Vier sind zerstört worden. Orte weitere feindliche Signaturen. Da sind auch noch ein paar Horus und... und.... Oh nein! Das sieht ja aus wie… oh… oh mein Gott!“

Wie in Zeitlupe brach Delta-Fünf auseinander. Wahrscheinlich war der schwere Bomber von einer Trebuchet, einer Anti-Bomber-Rakete, getroffen worden. Das schwere Geschoss hatte den Schutzschild und die Panzerung von D-Fünf einfach durchschlagen. Von Delta-Sechs und Delta-Drei war weit und breit nichts mehr zu sehen.

Der Zielerfassungsalarm ertönte wieder. Patrick bekam einen harten Schlag ab und ruckte so heftig nach vorn das er sich auf die Lippen biss. Er sah sein Blut davonfliegen und gegen die Cockpitscheibe spritzen. Kabel brannten, der Com-Offizier versuchte sich einen langen Splitter aus der Brust zu ziehen und die Luft fühlte sich kalt und hart an.
Patrick bearbeitete die Kontrollen und richtete den Kampfbomber wieder aus. Ein Triebwerk brannte. Sein Copilot feuerte mit den Bordwaffen ungezielt in das Asteroidenfeld vor ihnen. Ein Horus wurde voll getroffen und explodierte. Über Intercom hörte er seinen Kanonier vor Schmerzen und auch vor Freude über den Abschuss heulen.

Direkt voraus sah Patrick einen platten Schatten. Ein vasudanischer Jäger der Thoth-Klasse raste auf sie zu. Das Zeichen des Lichthammers leuchtete hell und deutlich auf den Flanken des Jägers auf. Unterhalb des Cockpits prankte ein knochenweißes Zeichen. Das war derselbe Thoth, der sie schon die ganze Zeit über verfolgte. Seine vier schweren Prometheus-S-Kanonen schleuderten ihnen einen Strom aus grünen Energieblitzen entgegen.
„Gott stehe uns bei.“, murmelte Patrick.

# # #

Hadesian drehte sofort ab als der Ursa auseinanderbrach. Er war kein Anfänger der sich den Tod seiner Feinde anschaute und dann selbst abgeschossen wurde. Die Ursa war sein einhundertster Abschuss.
Hadesian lauschte in sich hinein. War da ein Triumpfgefühl? Oder gar Trauer?
Nein, da war nichts. So wie es sein sollte. Ein Krieger vernichtete seine Feinde auf dem Schlachtfeld, labte sich aber nicht an deren Tod.
Das Radar war frei von Feinden.
Hadesian sammelte seine vier Staffeln. Seine Aufgabe in diesem System war erfüllt. Es war sehr unwahrscheinlich das die Terraner ihre verlorenen Ursas wieder finden würden. Und selbst wenn doch, dann würden sie glauben die Piraten hätten die Ursas vernichtet. Die Terraner hatten keine Ahnung wie nahe ihnen die Vernichter bereits waren.

# # #

Die 5th GTVA-Flotte erreichte das Zentrum des Regulus-Systems gerade rechtzeitig um in einen Angriff der Piraten hinein zu geraten.
„ALARM … ALARM … ALARM.“
Die Piloten hetzten zu ihren Maschinen. Auf dem Flugdeck herrschte perfektes Chaos. Weder die Bodencrew noch die meisten Piloten hatten jemals einen echten Alarmstart mitgemacht. Sie alle waren entweder Rekruten oder waren während der NTF-Rebellion und der Schlacht um Capella irgendwo im Hinterland stationiert gewesen.
„Weg mit dem Bomber!“, brüllte Lisa Rocket während sie mit der rechten Hand auf Lance Kanzel schlug. Ein Greifarm packte den verkeilten Bomber und riss ihn aus der Startbucht, ein zweiter Greifarm zog Lance‘ GTF Perseus in eben diese Startbucht. Das funktionierte ganz gut. Entweder bediente einer der wenigen Veteranen die Greifarme oder einer der Rekruten lernte schneller als seine Kameraden.

Wie auch immer, Lance Maschine schoss mit Höchstgeschwindigkeit durch die Luftschleuse und raste über die Startbahn der Intrepid. Kalter Weltraum empfing ihn. Mindestens fünf Kilometer vor der Intrepid tobte ein Kampf zwischen Piraten und dem 102nd Geschwader. Die jungen Rekruten hatten bereits drei Maschinen und ebensoviele Piloten verloren.
„Alpha-Eins, sammeln sie ihre drei Staffeln und machen sie dem ein Ende!“, befahl Colonel Stevons knapp und bündig.

Zwölf GTF Perseus formierten sich und rasten den angreifenden Piraten entgegen. Diese Maschinen wurden ausnahmslos von Veteranen geflogen. Eine Wand aus Raketen löste sich aus den Lafetten der Perseus und schossen den Piratenmaschinen entgegen. Acht feindliche Maschinen wurden augenblicklich getroffen, drei explodierte sogar.
Lance zog seine Maschine in einen engen Looping und setzte sich hinter eine Piraten-Loki. Der alte Jäger war einst eine Eigenentwicklung des GTI, des Geheimdienstes, gewesen. Jetzt war er nur noch eine veraltete Maschine.
Salven aus Prometheus und Subach-HL-7 Geschützen rissen die Schilde des Loki herunter und drangen durch die dünne Panzerung bis zum Reaktor vor. Der Loki explodierte. Neben Lance erzielte Peter einen Abschuss, Ivonne erledigte einen alten Hercules. Sie hatte den Verlust ihrer Maschine in Sirius noch nicht verwunden und flog extra aggressiv. Innerhalb von Sekunden erzielte sie einen zweiten Abschuss.
„Nicht schlecht, Beast, aber jetzt zurück in die Formation.“, befahl Lance.
Die elf Perseus formierten sich um Lance‘ Position. Sie hatten während des kurzen Kampfes mindestens neun feindliche Jäger zerstört und ebenso viele ernsthaft beschädigt. Die Piraten zogen sich eilig vom Schlachtfeld zurück.

„Hier… Zeta-Zwo… Führer ausgefallen… was soll ich tun?“
Die Stimme des jungen Piloten überschlug sich vor Aufregung. Auf die Idee zur Intrepid zurückzukehren kam er anscheinend nicht. Lance beschloss ihm zu helfen.
„Hier ist Alpha-Eins. Nähern sie sich der Intrepid auf eintausend Meter und rufen sie per Notsignal ein Reparaturschiff. Sorgen sie dafür das dies alle ihre Staffelkameraden tun. Landen sie nach den Reparaturen. Wenn das nicht klappt landen sie auf der Lexington. Die hat ja genug Platz für zusätzliche Jäger. Aber stellen sie auf alle Fälle sicher das ihre IFF-Sender korrekt funktionieren. Viel Glück, Zeta und Iota.“
„Verstanden, äh… Sir… Wir ziehen uns zurück.“
Eine weitere alliierte Maschine explodierte. Entweder war der Reaktor von einem Splitter getroffen worden und verspätet explodiert oder der Pilot hatte einen fatalen Fehler bei der Eigendiagnose bzw. der Bordreparatur begangen. Die vier überlebenden Maschinen der Patrouille zogen sich mit Höchstgeschwindigkeit zur Intrepid zurück.

Die Piraten jedoch kehrten mit Verstärkungen zurück. Zwanzig Jäger und Bomber verschiedener Klassen und zwei alte Kreuzer griffen in das Gefecht ein. Nach kurzem Widerstand zogen sich die Veteranen ebenfalls zur Intrepid zurück. Während des Rückzuges gaben sie sich gegenseitig Deckung.
Eine Staffel feuerte auf die Piraten während sich die beiden anderen Staffeln ein Stück zurückzogen. Dann übernahm eine frische Staffel den Geleitschutz. Die Piraten kamen mit dieser Taktik gar nicht zurecht. Sie verloren sechs Maschinen bei ihren fruchtlosen Angriffen. Dann erschien ein bekanntes und berüchtigtes Gesicht auf den Bildschirmen der alliierten Schiffe. Der Mann sah auf seine Weise gut aus, strahlte jedoch Bösartigkeit aus.
„Hier spricht Konteradmiral Michael Calas. Ich befehlige dieses System im Namen der Neo-Terran-Front und fordere sie auf unverzüglich ihre Waffensysteme abzuschalten. Jeder Versuch den Talania Subraumknoten zu erreichen wird von uns als Kriegserklärung angesehen. In unserem Besitz befindet sich eine Wunderwaffe, die wir umgehend gegen sie einsetzen werden, wenn sie uns weiterhin angreifen.“

Lance grinste dämlich als er den nächsten feindlichen Jäger abschoss. Ob der Pirat nun bluffte oder nicht, die Allianz konnte niemals auf seine Forderungen eingehen. Nach einer Sekunde des Zögerns eröffneten auch Peter und Ivonne wieder das Feuer. Wunderwaffe hin oder her, die Piraten und selbsternannten NTF-Krieger würde heute besiegt werden.
„Ihr habt es so gewollt, ihr dämlichen Idioten… .“ , kam es von dem Kreuzer.

Bei genauerer Betrachtung handelte es sich um einen Leviathan, also eine extrem stark gepanzerte und bewaffnete Version des normalen Fenris. Dafür waren diese Kreuzer langsamer als ein Fenris. Lance und die anderen Veteranen hielten sich jedoch wohlweislich außerhalb der Reichweite der feindlichen AA-Geschütze auf.
Zum Glück für die Alliierten besaß keiner der feindlichen Kreuzer moderne Flakgeschütze, deren Geschosse einen Jäger oder Bomber regelrecht zerfetzen konnten.
„Alpha-Eins, hier ist Beta-Eins. Wir haben hier sechs Medusa-Bomber und wollen unser Päckchen abgeben. Das Ziel ist als NTC Zican identifiziert worden. Es ist Calas Flaggschiff!“
Mathias Stimme klang beunruhigt, wie er es immer vor entscheidenden Gefechten war. Vielleicht hatte er auch Sorge das seine Rekruten die Ziele verfehlen würden.

„Die Kreuzer aktivieren ihre Hauptgeschütze! Alpha, Beta! Zerstören sie sie JETZT!“
Die Stimme von der GTD Intrepid war nicht zu identifizieren. Wahrscheinlich gehörte sie einer Com-Offizierin der Kampfbrücke. Jeder Kreuzer der Fenris- bzw. der Leviathan-Klasse verfügte über ein leichtes Strahlgeschütz. Solche Waffen konnten der dicken Panzerung der Intrepid wenig anhaben.
„Alpha! Beta! Los doch! Los, los LOS!“ , rief die Com-Offizierin der Intrepid verängstigt.
Die Com-Offizierin der Intrepid wollte anscheinend nicht austesten wie stark die Panzerung des Zerstörers wirklich war.

Lance hängte sich an einen feindlichen Hercules und feuerte zwei volle Salven Energiegeschosse und Raketen ab. Der Herc explodierte. Ein Piraten-Ulysses versuchte die Situation auszunutzen und brachte seinerseits zwei Salven an Lance Maschine an. Doch die alten Avenger-Geschütze konnten den Schutzschild der Perseus nicht knacken.
Lance wendete, kurvte um den Ulysses herum und löschte ihn mit acht gezielten Schüssen aus. Ein feindlicher Loki-Scout flog durch sein Sichtfeld, gehetzt von Ivonne. Die Pilotin erzielte schließlich einen Volltreffer. Auch der Loki brach auseinander. Die restlichen Piraten hatten sich der Intrepid genähert und versuchten das Schiff direkt anzugreifen. Gefangen zwischen dem riesigen Rumpf des Zerstörers und den Abfangjägern waren sie ein leichtes Ziel.
Die jungen Rekruten, angeführt von Kevin Petrarch, nutzen die Chance gnadenlos aus indem sie die Piraten dezimierten. Kevin erzielte zwei Abschüsse, ein junger Pilot namens Nathan sogar drei. Der Weg für die alliierten Bomber war frei.

„Ihr Narren!“, brüllte Michael Calas via Intercom. „Wir sterben heute, aber ihr werdet uns bald alle nachfolgen. … Hört ihr? … Schon bald wird eure geliebte Allianz untergehen. Niemand wird überleben. NIEMAND!“
Leutnant Mathias Volter feuerte eine volle Salve Cyclops-Torpedos auf den führenden Kreuzer ab. Die schweren Raumraketen rissen den Bug der NTC Zican auseinander. Beta-Zwo tat es seinem Staffelführer gleich und erzielte drei Volltreffer. Die Torpedos detonierten tief im Rumpf des Kreuzers. Für einige schreckliche Minuten konnte man die Besatzung über die Comlinks schreien hören. Dann platzte die Zican auseinander. Einige der Trümmer waren größer als ein terranischer Jäger. Die Schreie endeten abrupt.

Beta-Drei und -Vier wendeten zu dem Fenris hinüber, der seinerseits Abwehrfeuer aussandte und den Bombern dann seine schmale Bugsilhouette präsentierte. Das half nicht viel. Die Lasergeschosse zerstörten zwei der anfliegenden Torpedos, durch die Wende entging der Kreuzer zwei weiteren Bomben. Doch die restlichen vier Torpedos trafen die Aufbauten und den Raketenwerfer des Fenris. Das Schiff verging in einer spektakulären Explosion.

„Hier ist Alpha-Eins.“, meldete sich Lance. „Wir haben den Angriff zurückgeschlagen. Sollen wir die restlichen Piraten verfolgen?“
Colonel Stevons Gesicht erschien auf dem Intercom. Zur Abwechslung drückten seine Gesichtszüge weder Arroganz noch Geringschätzung aus. Vielmehr schien er ernsthaft stolz auf die Leistung des 53rd zu sein.
„Sehr gute Arbeit, Major Vincey. Kehren sie zur Intrepid zurück. Die Kappa und die Beta Staffel werden den Feind verfolgen. Wir haben soeben erfahren das die GTCv Warspite die NTC Andromeda mitsamt ihrer Eskorte vernichtet hat. Sie alle haben für heute genug geleistet. Nochmal: Sehr gute Arbeit.“
Lance gab den Befehl an seine Staffelkameraden weiter. Das war eigentlich nicht nötig, denn wichtige Infos wurden eigentlich an jeden alliierten Jäger geschickt. Doch auch die Crew des Kampfleitstandes war neu und unerfahren. Lance wollte einfach nicht das jemand sinnlos draußen blieb.
Die Bestätigungen kamen herein. Ivonne war stolz, Peter beruhigt und Mathias nervös wie immer. Als Lance landete überkam auch ihn so etwas wie Stolz. Sie hatten diese Mission erfolgreich zu Ende gebracht. Das war viel Wert.


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SemperFi
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ID # 120


  Erstellt am 02. April 2009 15:13 (#24)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail
Ich bin leider keine gute Feedbackerin und das Lesen am PC finde ich auch sehr anstrengend.

Sieht eigentlich ganz gut aus, nur frage ich mich doch, woher du diese Zeit nimmst jeden Tag was zu schreiben und vor allem wie man zu den unmöglichsten Zeiten innerhalb der Woche was ins Forum posten kann.

Keine Arbeit oder so? *gg*

SemperFi

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FreeSpace für immer treu

Frauen sind die besseren Piloten. Zum Glück bin ich eine.

Aktuelles Kampagnenprojekt:
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Letzte Fertigstellung:
Der Glaube an Neo-Terra 2

Leider kann ich aktuell keine Kampagnen veröffentlichen.

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Alexander
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ID # 70


  Erstellt am 02. April 2009 17:59 (#25)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
Zitat von SemperFi:
Ich bin leider keine gute Feedbackerin und das Lesen am PC finde ich auch sehr anstrengend.

Sieht eigentlich ganz gut aus, nur frage ich mich doch, woher du diese Zeit nimmst jeden Tag was zu schreiben und vor allem wie man zu den unmöglichsten Zeiten innerhalb der Woche was ins Forum posten kann.

Keine Arbeit oder so? *gg*

SemperFi



Teile der Geschichte existieren ja bereits seit längerer Zeit in Stichpunktform. Ich muss es also "nur" noch in Kapitelform bringen. Manche Kapitel existieren auch schon in Teilen, ich muss sie also nur noch ergänzen und in die richtige Reihenfolge bringen. Insgesamt dauert das pro Kapitel so cirka eine Stunde.

Und das mit der Arbeit ist auch einfach: Ich arbeite halt auch zu den unmöglichsten Zeiten. Da hat man dann auch zu unmöglichen Zeiten frei.

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Alexander
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  Erstellt am 03. April 2009 18:22 (#26)  |  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP
[b]KAPITEL 9[/b]

[u]* Vega-System, Juli 2370[/u]

„Machen sie sich selbst das Leben nicht so unnötig schwer, Admiralin.“, mahnte der alte Vasudaner leise.
Admiralin Karen Wallace schreckte doch. Seitdem ihr Sohn Patrick als vermisst in der Verlustliste geführt wurde, konnte sie sich nicht mehr richtig konzentrieren. Die 5th Flotte hatte die so genannte Zweite Rebellion beendet. Warlord Calas war tot, Sirius und Regulus standen wieder unter der Kontrolle der Allianz. Gouverneur James Pace hatte sich aufrichtig bei der Admiralin für die schnelle Befreiung bedankt.
Die Verluste der 5th Flotte waren sehr niedrig gewesen. Nur zwölf Mann waren gefallen, achtzehn verwundet worden. Es wäre perfekt gewesen, wenn da nicht die vierundzwanzig Vermissten, darunter ihr Sohn Patrick Wallace, gewesen wären. Großadmiral Erikson hatte ihr sein Beileid ausgesprochen und sie gleichzeitig in den höchsten Tönen für ihre Leistung gelobt. Aber der Admiralin kam dieses Lob unnütz vor.
„Verzeihen sie mir, Doktor Vharn. Ich war in Gedanken.“, entschuldigte sie sich bei dem alten Vasudaner.
„Es gibt nichts zu verzeihen. Wir sind hier um ein uraltes Artefakt der Ancients zu bergen. Es ist eine Art Bibliothek. Doktor Rhadec hat auf Vasuda Prime, in den Ruinen von Heliopolis, eine Art Karte entdeckt. Leider ist er tot, ermordet von Piraten.“
Colonel Stevon, Colonel Niven, Kapitän Forsythe, Major Winslow, Major Vincey und Agent Chang vom GTVN nickten bedächtig. Die Piraten waren besiegt worden, aber sie hatten auch Schaden angerichtet. Das der Lichthammer wieder aktiv war, wussten die Männer noch nicht.
„Warlord Calas besaß eine Art Schlüssel, einen Code, mit dem man die Schutzvorrichtungen der Bibliothek deaktivieren kann.“, fuhr Doktor Vharn fort. „Dank des GTVN wurden sowohl die Karte als auch der Code geborgen.“
„So ist es.“, bestätigte Agent Chang kurz und knapp.
„Also müssen wir nur noch die Bibliothek finden und bergen?“, erkundigte sich Lance.
„Die Bibliothek liegt im Talania System. Dieses System wurde vor über fünfzig Jahren von der Allianz aufgegeben. In den letzten Monaten hat sich der Subraumknoten allerdings wieder so weit stabilisiert, das ein gefahrloser Transit möglich ist. Wir werden mit einer kleinen Einsatzgruppe nach Talania springen und die Bibliothek bergen.“, erklärte Agent Chang.
„Gibt es Feinde oder andere Gefahren in Talania?“, hakte Colonel Niven, der Kommandant der GTD Lexington, nach.
„Alle Terraner wurden aus damals aus dem System evakuiert. Soweit wir wissen haben auch alle Vasudaner das System verlassen. Sicher sein können wir uns nicht. Vielleicht gibt es auch noch das eine oder andere Sperrgeschütz. Aber selbst wenn es dort Feinde gibt, sie haben selbst im schlimmsten Fall nichts besseres als ML-16 Laser aufzubieten.“
„Warlord Calas sprach von einer Wunderwaffe bevor er starb.“, warf Lance ein.
„Das war nichts weiter als ein Bluff. Wir haben acht Sonden ins das System geschickt. Sie sind alle unbeschädigt zurückgekommen. Die Auswertung der Daten hat nichts ungewöhnliches ergeben. In Talania gibt es nur alte Dateien, Bücher und Karten. Ich denke wir brauchen uns nicht allzu viele Sorgen machen. Aber zur Sicherheit können sie ja einen Helm aufsetzen, Major Vincey. Nicht das sie noch von einem achttausend Jahre alten Buch erschlagen werden.“
Agent Chang hatte die Lacher auf seiner Seite. Nach einer Weile stimmte auch Lance in das Gelächter mit ein. Aber es war kein ehrlich gemeintes Lachen, denn er hatte Doktor Vharn genau beobachtet.
Der alte Vasudaner lachte nicht.

[u]* Talania-System, Juli 2370[/u]

Blitze zuckten aus den Nebelschwaden hervor und zeugten von dem EMP-Gewitter das in den ionisierten Gasschichten mit unverminderter Gewalt tobte. Alliierte Schiffe materialisierten im Nebelgebiet jenseits des Vega-Systems. Zuerst ein paar Jäger, dann ein AWACS Schiff der Vasudaner und dann die Korvette der Deimos-Klasse Warspite. Major Lance Vincey führte zwei Staffeln Hercules Mark Zwo Fighter in den Nebel.
„Die Sonden haben keinen Nebel angezeigt, oder?“, funkte Lance zur Warspite hinüber.
Das Gesicht von Kapitän Forsythe erschien auf dem Intercom.
„Die Sondendaten wurden von Agent Changs Team ausgewertet.“, antwortete er so, als erkläre es alles. Im gewissen Sinn tat es das auch. Die Agenten des Geheimdienstes waren nicht sehr mitteilsam, was Informationen jeglicher Art betraf.
„Sie erfahren genau das, was sie erfahren müssen, Piloten.“, mischte sich Agent Chang ein. „Und jetzt konzentrieren sie sich auf die Mission.“
Lance schluckte seinen Ärger herunter. Die Jäger nahmen Eskortpositionen ein um die GVCv Warspite und die GTA Scanos zu beschützen. Das AWACs Schiff konnte mit seinen extrem leistungsstarken Sensoren die Nebelschaden durchdringen und den alliierten Schiffen exakte Daten der Umgebung liefern.
„Da ist etwas… ein Asteroid!“, schrie Agent Chang euphorisch.
Weit voraus befand sich ein einsamer Asteroid. Das musste das gesuchte Versteck sein. Langsam näherten sie sich dem Ziel. Ein Transporter der Argo-Klasse, die GTT Archon, sprang in den Nebel. An Bord befanden sich eine Kompanie Marines und Doktor Vharn. Sie würden die Bibliothek bergen.
„Sehen sie, Major Vincey? Keine Feinde weit und breit zu sehen.“, sagte Agent Chang. Lance verzichtete auf eine Antwort.

# # #

Aus der GTT Archon ließen sich Gestalten in klobigen Raumanzügen auf die Oberfläche des Asteroiden hinab. Sie würden vorsichtig in das Versteck der Uralten eindringen um die Bibliothek zu bergen. Doktor Vharn war persönlich bei ihnen, wie auch Major Robert Winslow. Unwillkürlich wünschte Lance ihnen ihnen Glück.
Die terranischen Marines drangen tief in das Gangsystem ein. Zuerst waren die Gänge nicht mehr als in Stein gehauene Röhren von drei Metern Durchmesser. Später zeigten sich Spuren von intelligentem Leben. Die Ancients hatten Stützen aus einer Art Plastbeton angebracht um den brüchigen Asteroiden zusammen zu halten. Leitungen aus einem fremdartig aussehenden Metall verliefen am Boden entlang und verschwanden in der Dunkelheit. Rob

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