[Fan Fiktion] Die Entscheidung

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Novachen
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30. Nov 2018, 22:51

Diese Fan Fiktion ist eine Übersetzung von "The Decision" von Goober5000, welche Teil des Downloadarchives vom ursprünglichen Deneb III ist. Im Zuge der Veröffentlichung von FreiRaum: Deneb III habe ich diese Fan-Fiktion übersetzt und in die technische Datenbank vom Spiel eingebettet. Dies ist entsprechend eine Version für das deutsche Forum, welche unter Umständen für manche Leute besser zu lesen ist. Sie spielt nach der Kampagne "Deneb III", genauer gesagt, unmittelbar vor der Mission "Kampf der Titanen" von FreeSpace: Der große Krieg.

Die Entscheidung
von Goober5000


Admiral Amentep beobachtete schweigend, wie der blaue Riese eine enorme Sonneneruption freisetzte. Der Stern, der problemlos die zwanzigfache Masse der Heimsonne der Terraner hatte, schien hell genug, um jeden Terraner zu blenden, der ihn aus dieser kurzen Entfernung sehen würde. Obwohl die Sichtfenster des Zerstörers mit Sonnenschilden ausgerüstet waren, um die Blendung zu minimieren, hatte der Vasudaner die Abschirmung absichtlich auf die niedrigste mögliche Einstellung reduziert, damit er sich selbst auf die Oberfläche von Vasuda Prime zurückversetzen konnte, indem er sich vorstellte, seine Sonne zu betrachten.

Obwohl der mächtige Typhon-Zerstörer vor einigen Wochen in der Schlacht von Deneb schwer beschädigt wurde, blieb er flugfähig genug, um den Großteil der Versorgungsmannschaft und einen erheblichen Teil ihres Jägerkontingents an Bord zu behalten. Da die Ressourcen an allen Fronten benötigt wurden, hatte die PVN es als zu kostspielig und zu zeitaufwändig empfunden, um die erforderlichen Reparaturen durchzuführen, damit sie wieder in Kampfbereitschaft zurückgebracht werden konnte. Stattdessen wurde er in die Umlaufbahn um Cygnus Prime verlegt, wo er jetzt als behelfsmäßige "Kommando- und Kontroll"-Installationsanlage für das Deneb-Einsatzgebiet fungierte.

Admiral Amentep mochte diese Anordnung nicht, aber akzeptierte sie jedoch ohne Beschwerden. Im Krieg wurden immer Opfer gefordert und dieser Krieg hatte in der Geschichte seiner Spezies keinen Vergleich. Es war tatsächlich ein Glück, dass die Guardian entkommen konnte. Ihr terranisches Gegenstück wurde nicht so begünstigt. Aber es war ein grausames Schicksal gewesen ... zu überleben und doch nicht in der Lage gewesen zu sein, den Knoten zu erreichen ...

Er entspannte sich. Selbst wenn die Guardian hätte nach Vasuda springen können, hätte ein weiteres Schiff das Unvermeidliche nur verzögert. Die Guardian war hier in einer viel besseren Position, um einen Unterschied zu machen. Hier konnte sie die terranische Expedition nach Altair beaufsichtigen, welche einer gemeinsamen Wissenschaftsmannschaft die wichtige Gelegenheit ermöglichte eine potenzielle Schwäche im Kommandoschiff der Zerstörer zu entdecken.

Aber wie so oft schien es der Fall zu sein, dass die Terraner einem Vasudaner der Ehre beraubten, die rechtmäßig ihm gehörte. Die Guardian hätte für die sichere Ankunft der vasudanischen Hälfte der Xenolinguistensmannschaft gesorgt, die eindeutig die Hauptlast des Übersetzungaufwandes getragen hatte. Die Guardian hatte eine wichtige Kommunikationsverbindung zwischen Altair und Sirius aufgebaut und ermöglichte damit der Foschungsmannschaft mit der GTA und PVN in Kontakt zu bleiben, während die Bastion zu den Frontlinien zurückkehrte. Und die Guardian hätte den Großteil eines Monats damit verbracht, den Hammer des Lichts abzuwehren, der jeden Tag zahlreicher zu werden schien.

Aber es war die Bastion, die an der Spitze aller terranischen Nachrichtensendungen stand. Die Transporter der Bastion hatten die Wissenschaftler von Deneb nach Altair und wieder zurückgebracht und es waren die Jäger der Bastion, welche das "Hammer des Lichts"-Flaggschiff zerstörten. Und jetzt, mit einer gewissen Dankbarkeit, die den Beiträgen der Guardian unzureichend entsprach, bat die Bastion erneut um ihre Hilfe.

Die Tür zischte auf und schloss sich anschließend wieder. Der Admiral bewegte sich nicht. Einige Momente vergingen in Stille.

Dann ging eine Gestalt zu dem Fenster, wo der Admiral stand. Sie näherte sich bis auf eine gesellige, wenn auch respektvolle Entfernung; Dann blieb sie stehen und drehte sich um, um sich der Haltung des Admirals anzupassen. Seine bescheidenen Gewänder und seine Körperhaltung widerlegten die Tatsache, dass dies einer der ranghöchsten Mitglieder der religiösen Kaste war.

Schließlich sprach der Admiral. "'Ein Freund, der an seinem Schweigen teilnimmt, ist klüger als hundert Ratgeber'", zitierte er und wandte sich an seinen Begleiter.

Die Figur nickte sanft ihren Kopf. "Mit Ihrer Nachsicht hoffe ich, in beiden Funktionen dienen zu können.", sagte er.

Allmählich erwiderte Amentep das Nicken, drehte sich um und streckte den linken Arm zur Seite und zog langsam seine Hand an seine Brust. "Sa Vasuda, Prophet Rami. Ich fühle mich durch Ihre Anwesenheit geehrt."

Rami erwiderte die Geste. "Und ich bei Ihnen, Admiral Amentep. Lassen Sie mich Ihnen zu Ihrer außergewöhnlichen Verteidigung des Altair-Sprungknotens gratulieren. Auch wenn unsere abtrünnigen Geschwister das System weiterhin bedrohen, bleibt der Knoten sicher."

Amentep neigte seinen Kopf. "Ich kann meiner Besatzung nicht die Ehre vorenthalten, die ihr rechtmäßig zusteht. Ich akzeptiere gnädiger Weise Ihre Gefühle und werde sie bei meiner nächstmöglichen Gelegenheit weiterleiten."

Es gab eine Pause. Rami betrachtete amüsiert das Fenster. "Ich würde nicht so voreilig das Licht betreten, Admiral. Es gibt für Sie noch viel zu tun."

Amentep sah ihn skeptisch an. "Sie kennen das?".

Rami nickte mit seinem Kopf erneut. "Nein. Aber ich glaube es zu fühlen. Und das Licht weiß es, das ist alles worauf es ankommt, egal ob es wahr ist oder nicht. Aber Sie sind momentan mit einem anderen Anliegen beschäftigt."

Amentep stellte den Sonnenschutz auf seine standardmäßige automatische Einstellung zurück. "Ja. Ich habe eine Bitte um Unterstützung von der GTD Bastion erhalten."

Rami wartete, aber Amentep setzte nicht fort. "Genauer gesagt?"

"Sie möchten, dass ich eine Staffel an vasudanischen Jäger mit Piloten versetze, um ihnen bei ihrem Angriff auf das feindliche Kommandoschiff zu unterstützen."

"Dies scheint keine schwierige Bitte zu sein."

Amentep atmete aus. "Nein. Aber ich fürchte, dass dies eine Bitte ist, die ich nicht gewähren kann."

Rami studierte seinen Begleiter. "Sie hätten mich nicht angefordert, wenn es sich nur um eine militärische Unzulänglichkeit handeln würde."

"Sie sind scharfsinnig. Und obwohl unsere Vorräte und Jäger lieb und teuer sind, hat meine Besatzung unsere Mittel mit dem größten Geschick verwaltet. Ich könnte eine Staffel entbehren, wenn es wirklich notwendig wäre."

Rami sah nachdenklich aus. "Sie möchten den Terranern nicht mehr helfen, als es erforderlich ist."

Amentep sah kurz in die Ferne, bevor er antwortete. "Das ist nicht wirklich der Grund. Ich mag die terranische Spezies nicht, aber sie sind trotzdem unsere Verbündeten. Die Ehre zwingt mich dazu, auf die Bastion genauso zu reagieren, wie ich es bei einem vasudanischen Zerstörer machen würde."

"Und die terranische Heimatwelt genauso zu verteidigen, als wäre es Vasuda, nicht wahr?"

Amentep schloss seine Augen und zuckte sichtlich zusammen. Es war, als hätte er einen Kriegshammerschlag in die Magengrube erhalten. Der Prophet war eindeutig in der Lage, sowohl spitzfindig als auch unverblümt zu sein.

Es dauerte einige Augenblicke, bis Amentep schließlich antwortete. Seine Stimme hatte einen scharfen Unterton. "Ich werde keine Schulden zurückzahlen, die ich nicht schulde."

"Wenn das Kommandoschiff zerstört wird, ist dies sicherlich die notwendige Folge davon."

"Unsere Blutrache wendet sich gegen die Zerstörer. Ob die terranische Heimatwelt überlebt, ist nebensächlich. Ich werde dem nachgeben, was das Licht verordnet hat." Amentep sah Rami grimmig an. "Die Gerechtigkeit scheint jedoch zu verlangen, dass sie Vasudas Schicksal teilt."

"Ah." Rami untersuchte für ein paar Augenblicke eine Wanddekoration. "Der Hammer des Lichts hat ähnliche Meinungen zum Ausdruck gebracht."

Amentep lachte schroff auf. "Pfui! Der Hammer des Lichts würde uns alle dazu bringen, den Ghar'ak zu nehmen und unsere Galaxis der Vergessenheit zu überlassen. Sie sollten eher mit gutem Beispiel vorangehen."

"Verzögern wir nicht die Zeit der Erneuerung durch unseren Widerstand? Sollten wir uns nicht selbst dem Hammer unterwerfen? 'Sodass wir von einem fähigen Handwerker zu Feingold geformt werden'?"

Amentep fuhr zusammen und sah Rami dann verärgert an. "Was zum siebten Feuerring haben Sie gesagt? Ist es nicht richtig, sich gegen die Dunkelheit zu stellen? Sind wir nicht dadurch so geläutert?" Er hatte nicht erwartet die verführerischen Worte der feindlichen Philosophie von einem Propheten des Ordens zu hören.

Rami hielt Amenteps Blick für einen Moment stand und nickte leicht. "Ich sehe, dass Sie sich an Ihren Katechismus erinnern. In der Tat, nur durch die Läuterung können wir das Licht reflektieren, denn niemand von uns besitzt es ohne Empfängnis. Verzeihen Sie mir; Es ist manchmal notwendig gründlich nachzuforschen, um die wahre Natur des eigenen Charakters zu prüfen."

Amenteps Zorn hatte noch nicht nachgelassen. "Und befürworten Sie jetzt den Weg vom Hammer des Lichts?" Es war ebenso eine Anschuldigung, wie auch eine Frage.

"Ah, aber das ist doch Schlüssel!" Rami war angeregt worden. "Nicht das Licht ist das Instrument vom Hammer, sondern der Hammer ist das Instrument vom Licht! Unsere abtrünnigen Geschwister behaupten, dass sie die Schriftrollen kennen und doch sehen sie nichts, was sie verstehen."

Die Haltung des Admirals milderte sich, allerdings nur leicht. "Ich fürchte, ich kann Ihnen nicht folgen."

"Ihre Fehler sind dreierlei." Rami begann einen Text aus dem Gedächtnis zu zitieren. "Laut den Schriftrollen spuken die Zerstörer in den Himmeln, streifen durch die gefrorene Leere und versengen alles mit Feuer. Sie begehen und hassen das Reich jenseits der Sterne, aus denen sie gegossen wurden. Es wird gesagt, dass sie vor der Schwelle des höchsten Himmels wandern und nach einem Weg suchen, seine Tore zu stürmen und erdulden niemand anderem, sich zu nähern. Die Schriftrollen erklären, dass die Offenbarung dieser Zerstörer die Verschiebung der Zeitalter und die Zeit der Erneuerung vorhersagen würde, in der die Diener des Lebens hervortreten werden und der Kosmos umgewandelt wird. Der ketzerische Hammer des Lichts vereinte diese beiden gegensätzlichen Kräfte in ihrer Fehlinterpretation der Prophezeiungen."

"Ja, das habe ich schon einmal gelesen. Der Hammer des Lichts verwechselt die Zerstörer mit denjenigen, die den Kosmos umwandeln würden. Diejenigen die Dunkelheit mit dem Licht und das Licht mit der Dunkelheit ersetzen."

"Ein äußerst schwerwiegender Fehler. Sie arbeiten auch unter der Illusion, dass die Zeit der Erneuerung durch die Handlungen von Personen vollendet oder immanentisiert werden kann. Dies kann notwendigerweise nur durch das Licht und in seiner eigenen Zeit geschehen."

"Ich verstehe. Und der dritte Fehler?"

Rami antwortete nicht sofort, zögerte und schien sich in Gedanken zu verlieren. Als er sprach, war sein Auftreten traurig. "Sie vermuten, dass sie in der Lage sind, das Licht so zu lenken, als würden sie es in mit ihren Händen ergreifen. Sie haben eine wunderschöne Metapher aus den Schriftrollen entnommen, die die Prüfungen und die Belohnungen für die Beharrlichkeit veranschaulicht und dabei haben sie sie zu einem blanken Hohn verdorben. Der Ausdruck 'Hammer des Lichts' löst jetzt Angst und Verachtung anstatt Demut und Hoffnung aus."

Mittlerweile etwas besänftigt, sinnierte Admiral Amentep nachdenklich. Zu viele Vasudaner, darunter auch viele seiner eigenen Kollegen, konnten am Ende unmöglich dem Ruf vom Hammer des Lichts widerstehen. Selbst für diejenigen, die ihre Treue gegenüber dem Imperium beibehielten, erforderte die Aufrechterhaltung der Moral bewusste und auch nachhaltige Anstrengung. Es gab viele, die sich dem Hammer des Lichts angeschlossen haben, weil sie wirklich an ihre Gebote glaubten, aber es gab auch nicht wenige, die nur aus Verzweiflung zu ihnen flohen. Und der Verzweiflung war nur schwer zu widerstehen, wenn es einerseits nur ständige Nachrichten über Siege der Feinde gab und man andererseits unermüdlich mit der 'Hammer des Lichts'-Propaganda konfrontiert wurde.

Admiral Amentep richtete sein Kinn auf. "Oh auf, dass sich das Licht deutlich für alle sichtbar zeigt, um diesen Wahnsinn zu beenden."

Rami seufzte. "Das ist nicht der Weg. Die Aufdeckung gegenüber dem Licht ist fatal für diejenigen, die sich nicht darauf vorbereitet haben. Das ist der Grund, warum sich das Licht verbirgt. Wer von uns würde ein Neugeborenes an die Oberfläche von Vasuda bringen?" Der Admiral zuckte bei den Bildern in Gedanken zusammen. "Diejenigen von uns, die keinen erwachsenen Panzer haben, können die Mittagssonne nicht ertragen und doch kann sich der Panzer nur durch allmähliche Sonneneinstrahlung im Morgengrauen entwickeln."

"'Die Dicke einer Haut einer Person ist das Maß für seinen Mut und wer wie ein Wurm stirbt, entehrt sein Haus'", zitierte Amentep.

Rami nickte. "Wie Sie sagen. Das Licht lehrt uns sowohl durch die Natur, als auch durch die Schriftrollen."

Der Admiral wandte sich wieder ab. "Ich wünschte, wir wären nicht gezwungen, sich mit den Würmern zu verbünden."

Ramis Augen verhärteten sich. "'Ein Vasudaner, dem das Urteilsvermögen fehlt, verhöhnt den Nachbarn, aber ein verständnisvoller Vasudaner, hält seine Zunge zurück.'"

Amentep drehte sich plötzlich um. "Sollten wir sie nicht so nennen, was sie sind?"

"Die Terraner sind keine Feiglinge, Amentep! Sie haben sich im ehrenvollen Kampf sowohl gegen uns als auch gegen die Zerstörer bewährt. Sie müssen nach ihren Handlungen beurteilt werden, nicht nach ihrem Aussehen."

"Es sind ihre Handlungen, nach denen ich sie beurteile! Sie sind kriegerisch und paranoid. Zeigen sie einander keine Freundschaft, indem sie die Zähne zeigen?"

Der Prophet drehte sich um und entfernte sich mehrere Schritte. "Wenn Sie mir etwas nachgeben, möchte ich Sie an einem Traum teilhaben lassen, der mir in den letzten Monaten mehrmals erschienen ist." Er drehte sich zu Amentep um. "Eine Figur, ein Terraner, geht durch die Galaxis von System zu System, immer in der gleichen Reihenfolge: Von Deneb nach Altair, nach Aldebaran, nach Alpha Centauri und nach Vasuda. Wo auch immer er hinging starben Vasudaner. Es war so, als wäre der Terraner die leibhaftige Manifestation des Todes. Kein Vasudaner konnte der Figur standhalten."

Amentep studierte den Propheten. "Und Sie glauben, dass dieser Traum wichtig ist?"

"Das Licht spricht durch Träume zu uns, wenn wir den Verstand haben, sie zu verstehen. Wiederkehrende Träume sind dabei besonders wichtig. Dieser Traum hat mich häufiger heimgesucht als jeder andere."

Amentep sah nachdenklich aus. "Die Interpretation erscheint einfach genug. Der Traum spiegelt Ihre gegenwärtigen Ängste vor dem Krieg wider. Als ein Vasudaner fürchten Sie sich vor der Zerstörung der vasudanischen Systeme. Die Figur hat die Gestalt eines Terraners, da die Terraner, obwohl fremdartig, vertraut sind. Die Zerstörer sind uns sowohl fremdartig, als auch fremd."

Rami nickte. "Viele meiner Kollegen sind der gleichen Meinung - was ich zuerst auch war. Dies passt jedoch nicht zu dem, was wir bisher gesehen haben. Die Zerstörer haben Deneb bereits heimgesucht und sind von dort direkt nach Vasuda weitergezogen. Sie waren nie in Altair!"

"Die Reihenfolge ist möglicherweise nicht wirklich wichtig."

Rami schüttelte seinen Kopf. "Im Gegenteil. Die Sequenz scheint sehr wichtig zu sein - vor allem der Anfang bei Deneb. Das ist der Grund, warum ich das Gefühl hatte, ich sollte Sie daran teilhaben. Es kann ein Ereignis der Zukunft bedeuten und Sie können eine entscheidende Rolle spielen, möglicherweise direkt mit Ihrer Verteidigung des Altair-Sprungknotens. Ich glaube nicht, dass es ein Zufall ist, dass Sie und ich uns heute Abend getroffen haben."

"Sie glauben, dass die Zerstörer Altair angreifen werden?"

"Die Zerstörer schienen kein Problem zu sein. Da die Figur terranisch war, glaube ich, dass es ein terranischer Angriff sein wird."

Amentep runzelte die Stirn. "Der Knoten von Deneb nach Altair kehrt bereits in seine standardmäßige Stufe zurück und wird sich für viele Jahre nicht wieder stabilisieren, wenn er es überhaupt tun wird. In der Tat hielt ich es für ein klares Eingreifen des Lichts, dass der Knoten während dieses Konfliktes geöffnet war, da ansonsten unsere kürzlich durchgeführte Bergungsoperation nicht möglich gewesen wäre. Wenn Schiffe den Knoten in Zukunft verwenden werden, gehören sie sicherlich zu den Zerstörern. Sie wissen, dass unsere Flotten zuvor immer durch die Verwendung von instabilen Knoten umgangen wurden."

Rami schüttelte den Kopf. "Ich glaube ganz fest daran, dass nicht die Zerstörer das Thema des Traumes waren."

"Dann scheint das einfach unmöglich zu sein." Amentep neigte seinen Kopf. "Doch im Sinne der Diskussionen nehmen wir einfach an, dass es nicht so ist. Sie glauben, dass uns die terranischen Flotten verraten werden?"

Rami gestikulierte hilflos. "Das scheint eine genauere Interpretation zu sein, aber ich glaube nicht, dass das richtig ist. Der Traum zeigte nur einen einzelnen Terraner, keine Horde, keinen Schwarm oder Flotte. Es ist natürlich möglich, dass dieser Terraner die gesamte terranische Kampfgruppe repräsentiert -- Ich bin jetzt eher dazu geneigt zu glauben, dass es ein einzigartiges Phänomen darstellt, welches außerhalb unserer derzeitigen Erfahrung liegt, obwohl es in gewisser Weise mit den Terranern in Verbindung steht. Vielleicht wird ein mächtiger Diktator auftauchen oder eine bösartige Seuche ausgelöst. Ich kann nicht sicher sein."

Amentep sah abweisend aus. "Und dieser Traum verurteilt die gesamte vasudanische Rasse zur Vernichtung?"

"Oh nein, nein. Ich glaube viel mehr, dass es eine Warnung und keine Verurteilung ist. Die Schriftrollen zeichnen viele Geschichten auf, in denen das Licht die Stämme vor bevorstehenden Katastrophen warnte. Da das Licht keine Zerstörung der Stämme wünschte, schickte es viele Warnungen im Voraus. Als die Stämme die Warnung befolgten, war die Katastrophe abgewendet. Wenn sie es nicht taten, wurden sie von der Katastrophe mitgerissen. Es liegt daher in unserer Verantwortung, die Warnung zu beachten."

"Und wie soll das gehen? Sie haben selbst gesagt, dass kein Vasudaner dem widerstehen konnte."

"Das ist richtig. Die Terraner könnten es aber vielleicht aufhalten. Der Traum ging nicht darauf ein."

Amenteps Furchte vertiefte sich. "Ich verstehe nicht. Wenn dies nur in der Macht der Terraner liegt, warum sollte der Traum dann uns heimsuchen, wenn es nur eine Warnung und kein Urteil ist?"

Rami seufzte. "Das weiß ich nicht. Aber ich kann es vermuten. Wenn das Phänomen nur die vasudanischen Systeme betrifft und die Zerstörer nicht daran beteiligt sind, warum würden die Terraner es für notwendig halten einzugreifen? Ich muss Sie nicht daran erinnern, dass die Gefühle der vergangenen vierzehn Jahre für alle noch sehr frisch sind." er nickte, aber es war eine steife und absichtliche Bewegung. "Wenn die Terraner zu unserer Unterstützung kommen werden, wie können wir sicher sein, dass sie es tun werden?"

"Verpflichtet der Vertrag sie nicht dazu?"

"Der Vertrag ist ein Waffenstillstands- und Nichtangriffspakt, nichts weiter. Vasudaner und Terraner arbeiten jetzt zusammen, weil es in unserem besten Interesse ist, aber nur sehr wenige von uns würden dies tun, wenn die Zerstörer nicht die Notwendigkeit schaffen würden."

"Und das ist es, wie es sein sollte. Vasudaner und Terraner passen nicht zueinander. Sobald die Zerstörer besiegt wurden, wenn das denn überhaupt jemals geschieht, müssen wir wieder getrennte Wege gehen. Die erzwungene Integration unterschiedlicher Kulturen kann bei beiden nur zu Chaos, Unruhe und Korruption führen."

"Und ich stimme zu. Das sollte uns jedoch nicht daran hindern, Freunde zu bleiben. Wenn dieser Traum in Erfüllung geht, brauchen wir sie vielleicht. Ein Freund wird helfen; eine bloße Bekanntschaft hingegen nicht. In der Tat sagte einer ihrer großen Denker: 'Wir müssen alle zusammenhalten oder jeder wird sicherlich separat hängen.'"

Amenteps Augen verengten sich. "Nur eine weitere Anspielung auf Gewalt. Und eine Doppelmoral noch dazu."

"Betrachten Sie das Sprichwort, bevor Sie ein Urteil darüber fällen."

Amentep überlegte einige Augenblicke. Widerwillig gab er zu: "Ich glaube, ich verstehe. Aber die Terraner haben einen schwarzen Sinn für Humor."

Rami nickte leicht. "Möglicherweise bevorzugen Sie ein eigenes Sprichwort: "'Zwei lahme Vasudaner können sich gegenseitig stützen.'"

Amentep machte ein verächtliches Geräusch. "Und unsere Regierungen sind die zwei lahmen Vasudaner? Das ist keine beliebte Position." Er seufzte. "Aber Sie haben recht. In der Tat, wenn nicht die Zerstörer angekommen wären, wie lange hätte es gedauert, bis sie vor Erschöpfung und Ziellosigkeit zusammengebrochen wären?"

Rami nickte erneut, diesmal ein richtiges nicken. "Und das, was sie finden, könnte auch vom Licht sein."

Amentep starrte ihn an. "Erklären Sie das!"

"Es ist ein sehr einfaches Prinzip und dennoch eines der am tiefgründigsten. 'Was andere für das Böse beabsichtigen, kann das Licht zum Guten verwenden.' Viele unserer größten Denker untersuchen immer noch ihre Tiefen."

Amentep war erstaunt. "Ich kann nicht sehen, wie etwas Gutes aus dieser Katastrophe entstehen kann, insbesondere angesichts der beispiellosen Zahl der vasudanischen und terranischen Opfer. Wer hätte geglaubt, dass über vier Milliarden Leute an einem einzigen Tag getötet werden könnten?"

"In der Tat." Für einen Moment glaubte Amentep er könne einen Ausdruck von großem Schmerz und Leid in Ramis Gesicht sehen, aber als er wieder hinschaute, wirkte der Prophet lediglich müde. "Und doch 'Was ist das Leben eines Vasudaners zwischen all den Sandkörnern von Vasuda'? Es gibt mehr in unserer Existenz, als das, was wir sehen." Er nickte leicht. "Und vergessen Sie nicht, dass die Geschichte sowohl von den Lebenden als auch von den Toten bewohnt wird. Die Toten haben mehr Einfluss auf unser Leben, als Sie vielleicht erkennen und sie haben den Vorteil, dass zu sehen, was das Licht sieht."

Für mehrere Augenblicke sagte Amentep nichts.

"Ich denke, dass Sie alle Informationen haben, die Sie benötigen", sagte Rami. "Ich habe getan, was ich konnte. Sie müssen jetzt darauf vertrauen, dass das Licht Sie führt." Er streckte seine Hand aus und brachte sie an seine Brust. "Sa Vasuda."

Amentep erwiderte die Geste wortlos und sah zu, wie der Prophet wegging. Er wandte sich wieder dem Fenster zu, aber sein Blick wurde von einer diesigen Wolke verdeckt und der Typhon-Zerstörer hatte sich auf seiner Umlaufbahn auf jeden Fall so weit bewegt, dass der Stern nicht länger sichtbar war. Er klopfte mit seinen Fingern an die Seite der Konsole und dachte nach.

Er drückte einen Knopf. "Amentep an Brücke."

"Brücke hier."

"Wie ist der Zustand der Bastion?"

"Die Bastion wird in vier Stunden bereit sein, um nach Sirius zu springen. Sie warten immer noch auf Ihre Antwort."

Er starrte für einige Augenblicke nichts Bestimmtes an. "Sagen Sie ihnen, dass wir ihnen, wie gewünscht, eine Staffel an Jägern zur Verfügung stellen."

"Ja, Sir. Gibt es noch etwas?"

Er zögerte und fragte dann: "Haben unsere Techniker die Thoths repariert, die wir vom Hammer des Lichts gekapert haben?"

"Ja Sir. Die letzte Reparatur wurde heute Morgen abgeschlossen. Die Technik berichtet, dass alle vier Thoths letzte Flugkontrollen absolviert und für den Kampf freigegeben wurden. Während wir sprechen, werden sie gerade aufgetankt."

Amentep nickte trotz fehlender Videoverbindung und ging langsam durch den Raum und ließ dabei die Leitung offen. Er blieb an der gegenüberliegenden Wand stehen und dachte nach.

Die Stimme am anderen Ende durchbrach die Stille vorläufig: "Sir?"

Er drehte sich um. "Informieren Sie die Bastion, dass wir ihnen die Thoths schicken werden. Unsere vier besten Piloten sollen sich auf dem Flugdeck melden. Ich werde unten sein, um Sie in Kürze zu instruieren."

"Ja Sir."

Amentep schloss die Verbindung und ging zur Tür. Er warf noch einen letzten Blick zurück auf das Fenster, welches jetzt ein klares leuchtendes, glänzendes Sternenfeld zeigte.

"Sa Vasuda", sagte er zu sich selbst. Dann machte er eine Pause. "Und ... Sa Terra."
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Alexander
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10. Dez 2018, 13:14

Sehr schön geschrieben. Gefällt mir gut. Vielleicht ein bisschen zu viel Philosophie für einen Soldaten, aber sonst sehr gut.
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